Stairway to Heaven

Moran Haynal (München, Israel) – Großformatige Gemälde, Zeichnungen, kalligraphische Arbeiten. Schirmherr: OB Peter Bürgel
Dauer: 11. - 21. April 2013

Vernissage

  • Donnerstag, 11. April, 19 Uhr

Weitere Öffnungszeiten

  • 12. – 21. April 2013
    Fr., Sa., So. 15 – 18 Uhr

Einleitung (von Benjamin Stein):

Wer Moran Haynals leuchtende Farborgien nur flüchtig betrachtet, dem kann es ergehen wie Woody Allen: „Ich habe an einem Schnelllesekurs teilgenommen, habe Krieg und Frieden gelesen. Spielt in Russland.“
Der zweite schelmische Gedanke, der beim näheren Betrachten aufkommt, ist die von den klassischen Surrealisten oft zitierte, fast schon sloganartig verwendete Satz: „Ein Treffen zwischen einem Regenschirm und einer Nähmaschine auf einem Operationstisch.“
Moran Haynals Gemälde sind Assoziationsräume; prall gefüllt mit Symbolen, mitunter offensichtlich, häufig aber auch versteckt.
Man muss sich Zeit nehmen für diese Arbeiten. Sie wollen entdeckt werden. Die Schlüssel, mit denen sich die Türen in diese Bildwelten öffnen lassen finden sich oft prominent in Szene gesetzt und sind dabei doch oft auch Rätsel: kabbalistische Amulette etwa oder kalligraphisch gestaltete Zitate aus den biblischen Schriften.
Und das alles rundherum oder über Frauenportraits mit Jugendstil und Pop-Art Elementen, so dass man unterscheiden kann, ob sich die unfromm oder gar nicht bekleideten Portraitmodelle in der Umgebung der mystischen Zeichen befinden, ob sie aus ihnen emporsteigen, durch sie leben und fliegen – oder ob der Künstler diese mystische Dimension in der sinnfrohen Weiblichkeit ausmacht.
Dann nämlich wäre die Kombination von Mystik und weiblicher Schönheit eine Ode an den Ewigen, gewissermaßen ein Dank an die Schönheit der Schöpfung. Und so erzeugt Moran Haynal einen Spagat zwischen Religiosität und genussvoller Lebensbejahung. Immer wieder zitiert er Motive anderer Künstler, Maler, Fotographen und Autoren; und das Wiedererkennen solcher Motive bringt dann plötzlich das Assoziationskarussell zum Rotieren.
Um so mehr, wenn seine Erlebnisse und die des Betrachters Gemeinsamkeiten aufweisen; James Joyce’s „Ulysses“, Proust’s „À la recherche du temps perdu“, Fellini oder Antonioni’s Filme … apropos „Blow Up“ … wo man nicht sicher ist ob man wirklich sieht was man zu sehen glaubt, so ist es auch bei manchen von Haynals Bildern. Die Farbunterschiede der über- oder untereinander liegenden Motive sind so gewählt, dass ein Durchscheinen zustande kommt und man sich nicht sicher ist ob diese Trennungslinie wirklich existiert oder einem der Assoziationsmechanismus traumgleich neue Lösungen zuflüstert.
Der Humor kommt auch nicht zu kurz. Haynal sitzt eindeutig der Schalk im Nacken. Man darf sich nicht wundern, wenn sich nach langem Betrachten eines seiner Gemälde plötzlich als Strichzeichnung aus den prallfarbigen Gemälden herausschält, die sich als erotischer Gag entpuppt.
Über eben diese Strichzeichnungen hat der österreichische Maler Adolf Frohner geschrieben: „…Linien die es in der Natur nicht gibt. Dieses Abstrakteste aller Ausdrucksmittel setzt Haynal für den konkretesten und sinnlichsten Vorwand ein den es gibt: den weiblichen Körper.“ 
Kurz: Es gibt ungemein viel zu entdecken in dieser mit sorgfältiger Genauigkeit, regelmäßige, tägliche Penitenz und mit der Demut eines Gobelinwebers ausgeführten Bildwelt.
Die knappen Anmerkungen zu den einzelnen Arbeiten, die in diesem Katalog vorgestellt werden, sollen lediglich ein Anstoß sein für das eigene Suchen, Entdecken und freudigem Wiedererkennen.

Biografie von Moran Haynal

Moran HaynalMoran Haynal wurde 1949 in Budapest geboren, verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Berlin und studierte schließlich in Wien auf der Akademie für Bildende Künste unter Adolf Frohner.
Anfang der 1990er Jahre wanderte er nach Israel aus, lernte in Beth El die klassische jüdische Kalligraphie (Sofrut) und verdiente sein Geld als freier Künstler sowie mit dem Schreiben von Torah-Rollen, Mesusot und Ketubot. Derzeit lebt Moran Haynal in München. Seine Gemälde, Zeichnungen, Kalligraphien und Gebrauchsgrafiken wurden weltweit in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und fanden ihren Weg in mehrere öffentliche wie auch staatliche Sammlungen von Vietnam, Polen, Ungarn bis Israel.
Moran Haynal ist Mitglied der Wiener Secession, der Vereinigung bildender Künstler in Ungarn und Israel sowie der Association Internationale des Arts Plastiques (UNESCO)

 

 

Moran Haynal„Das Packendste an seiner Arbeit] ist [...] die Einheit von Technik und Thema. Heutzutage kann man nämlich so vieler hyperrealistischer ‚Handarbeit‘ und so vieler mit Fotografie in Zusammenhang stehender Interpretation begegnen, das gesondert weder die Manier, noch das zitierte Medium sich um das Prädikat ‚beispiellos‘ bewerben können. […] Die Blätter Haynals sprechen darüber, dass es töricht ist, uns den Mythos der maschinellen Vervielfältigung des Bildes hinzugeben. […] Die Nachahmung des technischen Verfahrens bringt ein besseres, präziseres und schöneres Werk zustande als das Modell, als das Foto selbst.
[…] Wenn wir uns [also] einst in dem Glauben wiegten, die von Menschenhand unberührte Technik überragt mit ihrer Unpersönlichkeit von vornherein den Menschen, so können wir jetzt sehen: es genügt ein einfacher Bleistift, um Vergrößerung und Montage, Fotoapparat und lichtempfindlichem Papier Hohn zu sprechen. Haynal macht also Zeichnungen, die fotografischere Fotografien sind, als die Fotografien selbst.“
„Wovon handelt das mit der Demut eines Gobelinwebers geschaffene bisherige Lebenswerk? Von Popstars, Minutenmenschen, von Epoche malenden Staffage-Figuren. Genauer geht es um in Massemedien durcheinander wimmelnde, vor charismatischer Kraft strotzende zweidimensionale Persönlichkeiten, um hintergrundlose Helden politischer Bewegungen, um einander ablösende Markengöttinen von Magazinen der Verbrauchergesellschaft. Über minutenweise auftauchende und fast gleichzeitig wieder verschwindende menschliche Schatten.“ (Jana P. Stücz - Kunstkritikerin)

Einzelausstellungen

  • Wien
  • Budapest
  • New York
  • Tel Aviv
  • Haifa
  • Ariel
  • Paris
  • Charenton München

Gruppenausstellungen

  • Wien
  • Budapest
  • Miskolc
  • Salgótarján
  • Madrid
  • Auschwitz
  • Warschau
  • Moskau
  • Tel Aviv
  • Ariel
  • Paris
  • Charenton

In öffentlichen Sammlungen

  • Musée National d’Hanoi, Vietnam
  • Museum Auschwitz, Polen
  • Museum Patko, Ungarn
  • Collection Vermes, Ungarn
  • Museum Israel, Jerusalem
  • Nationalgalerie, Budapest
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