Geschichte des Turms

Postkarte um 1920

Um 1900 war es um Dachaus Trinkwasserqualität schlecht bestellt. Die meisten Hausbrunnen wurden mit Amperwasser gespeist. Wenige öffentliche Brunnen dienten der Trinkwasserversorgung. Häufig kam das Wasser schmutzig gelb aus dem Brunnen, da es "durch menschliche und tierische Abfallstoffe verunreinigt" war.
In vielen Fällen konnte man das Wasser allenfalls abgekocht genießen. Es wurde aber dennoch zum Bierbrauen verwendet!

Nach verschiedenen Probebohrungen wird 1906 beim Elektrizitätswerk Gündig ein 62 m tiefer Brunnen, der einwandfreies Trinkwasser liefert, gebohrt.

1910 wird dazu als Wasserspeicher ein 29 m hoher Wasserturm neben dem Schloss errichtet.
Der Vorschlag, den Turm als Aussichtsturm zu bauen und Mehrkosten durch Eintrittsgelder abzudecken, wurde nicht realisiert.

Damit der Turm nicht höher als das Schloss wird und die Silhouette des Schlossbergs nicht stört, unterbreitet man dem Dachauer Magistrat am 19. April 1909 folgenden Vorschlag:
"Zur definitiven Beurteilung der Frage, ob der zu errichtende Wasserturm wirklich die Silhouette des Schloßbergs störend beeinflußt, möchte es sich empfehlen, daß der Stadtmagistrat Dachau aus dem in Aussucht genommenen Bauplatze eine der Höhe das Wasserturms entsprechende Stange mit roter Signalscheibe aufstellen läßt, an der die Wirkung das künftigen Bildes am ehesten von verschiedenen Punkten außerhalb Dachau(sic) beurteilt werden kann."
Der Turm "soll schön werden und den Zahl der Zeit Widerstand leisten" fordert das Dachauer Volksblatt 1910.

Die Gemeindebevollmächtigten beauftragen den Münchner Verein für Volkskunst und Volkskunde mit der Gestaltung des Turms. Dieser entwirft das ansehnliche, künstlerisch hochwertige Gebäude, das heute als "stattlicher Bau (...) das Späthistoismus" einen Platz in der Denkmalliste gefunden hat.

1969 wird der Turm als Wasserspeicher nicht mehr gebraucht. Ein neuer Hochbehälter in Günding mit 10.000 Kubikmeter Fassungsvermögen nimmt den Betrieb auf.

Der Stadtrat wendet sich gegen einen geplanten Abriss und bietet den ausgedienten Wasserturm zum Verkauf an. Nachdem die Verkaufsverhandlungen scheitern, sucht man nach anderen Lösungen: Von der Einrichtung eines Jazzcafés, einer Sternwarte, eines Museums für als Fotoapparate, einer Kleinbrauerei - "wo doch das Bauwerk immer für sauberes Wasser stand" - bis zum Umzug des Stadtarchivs in den Turm reichen die Vorschläge.

Nach aufwendiger Restaurierung nutzt seit 1998 der Förderverin Dachauer Wasserturm e.V. den Turm für kulturelle Veranstaltungen und macht ihn damit der Öffentlichkeit zugänglich.

2003 wurde aus Gründen des Brandschutzes eine Sicherheitstreppe eingebaut.

 

Text (auch auf einer Plakette am Turm nachzulesen): Christa Becker